Krieg im Micro Elektro Automarkt. Microlino gegen Karolino und Karo.

Krieg im Micro Elektroautomarkt. Microlino gegen Karolino und Karo .

Vor einiger Zeit hatten wir vom Kleinst Elektroauto Microlino berichtet. Jetzt scheint sich die Produktion immer weiter zu verzögern. Grund ist ein Streit zwischen dem Entwickler des Microlino, der Micro Mobility Systems aus der Schweiz und dem Nachfolger der Produktionsfirma, der Artega GmbH. 

Zur Vorgeschichte: Der Eigentümer von Micro Mobility Systems ist die schweizer Familie Ouboter. Die haben sich seit vielen Jahren einen Namen in der Branche der Kickboards, Scooter und e Scooter gemacht. 

Micro Mobility entwickelt den Microlino

2015 begann man dann mit der Entwicklung eines eigenen Elektro Kleinwagens – dem Microlino. 15 Monate später war die Entwicklung des Microlino abgeschlossen. Nach der Vorstellung eines ersten Prototypen wurde ein Produzent für das Auto gesucht. Gefunden wurde die italienische Firma Tazzari bzw. deren Tochterfirma, der Auftragsfertiger TMI.  

Tazzari / TMI verfügen über langjährige Erfahrung im Bau von Elektro Kleinfahrzeugen. Bereits 2009 brachte Tazzari unter dem Namen Zero einen knuffigen Elektro Kleinwagen auf den Markt, der mittlerweile einige Tausend Male verkauft wurde. 

Tazzari EV Zero - Krieg im Micro Elektroautomarkt
Tazzari EV Zero City: Ab 15.300- incl. Akku

2016 schließlich wurde dann ein Vertrag geschlossen. TMI sollte die Produktion des kleinen Microlino übernehmen. Was anfänglich nach einer runden Sache aussah, veränderte sich als TMI an Artega verkauft wurde. 

Artega ist vielen noch ein Begriff aus der Verbrenner Welt. Chef von Artega ist Klaus Dieter Frers. Frers ist zudem Chef des Autozulieferers Paragon und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Batterie Spezialisten Voltabox.

Frers war seinerzeit mit seinem Verbrenner Automobil Projekt Artega Scalo GT gescheitert. Hier hatte es zum Schluss Verstimmungen zwischen einem mexikanischen Investor und Klaus D. Frers gegeben. Finanzierungszusagen wurden nicht erfüllt. Frers stieg aus. Juli 2012 stellte die damalige Geschäftsleitung dann Insolvenzantrag. 

Im Oktober 2012 kaufte Frers sämtliche Vermögensanteile an Artega zurück.

ALTER ARTEGA GT

– 153 davon sollen auf deutschen Straßen unterwegs sein.

Aber laut Chef Frers erfolgte der Rückkauf der Anteile nicht um die Produktion des GT wieder aufzunehmen. Vielmehr ging es Frers laut eigenem Bekunden um die faktischen Firmenwerte und das technische Know-How.

Mittlerweile baute Frers an einem elektrischen Nachfolger des GT –  der neue heißt Scalo. Und fährt rein elektrisch.  

So weit – so gut. 

Aber was hat das mit dem Microlino zu tun? – werden sie sich jetzt fragen.

Mit dem Erwerb der Firma TMI gelangte auch das Kleinfahrzeug Microlino in die Hände von Frers. Das stand ja inzwischen auf den Produktionsbändern von TMI.

Bevor nun die Schweizer die Veränderungen wirklich realisiert hatten, hatte Frers plötzlich ein neues Auto in der Pipeline: Den Karolino. 

Krieg im Micro Elektroautomarkt. Microlino gegen Karolino und Karo .

Wegen dessen frappierender Ähnlichkeit mit dem Microlino reichte Familie Ouboter Klage ein. Im Wege der einstweiligen Verfügung erwirkte der Microlino Erfinder gegen Artega ein Verbot den Karolino weiter zu bewerben. Ebenso wurde der Auftritt auf der IAA mit dem Karolino untersagt.

Nichts desto trotz stellte Artega einen Elektro Kleinwagen auf der IAA aus. Der hieß jetzt nicht mehr Karolino, sondern Karo. Artega Chef Frers sieht darin keinen Verstoß gegen das Verbot des Gerichts. Das Gericht hatte ausgeurteilt, dass der Karolino nicht so aussehen darf wie der Vorserien Microlino. Artega stellte daraufhin den überarbeiteten Karolino als Karo auf der IAA aus. Zudem verweist Frers darauf,  dass der Microlino in über 150 Punkten überarbeitet worden sei. Selbst Fahrwerk und Chassis seinen überarbeitet worden. Das Auto verfüge jetzt über einen Sprachassistenten und ein Soundsystem. 

So rollte Artega dann mit dem jetzt Karo genannten Auto zu unserer Überraschung auf die Messe.

Krieg im Micro Elektroautomarkt: Der Kampf geht weiter

Familie Ouboter blieb nicht tatenlos und erwirkte gleich den nächsten Beschluss. In dem Beschluss des Landgerichts München vom letzten Mittwoch verfügt das Gericht, dass es Artega untersagt ist, “im geschäftlichen Verkehr in Deutschland ein wie nachfolgend abgebildetes L7e-Elektrofahrzeug (unabhängig von der Farbgebung) anzubieten, zu bewerben, feilzuhalten, zu vertreiben oder auf Publikumsmessen zu präsentieren.“  Gezeigt wird in einer Abbildung zu dem Beschluß der Karo, wie er auf der IAA stand. 

Inwieweit Microlino Erfinder Ouboter aus dem ersten Beschluss gegen Artega vorgeht, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.

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